Barrierefreie Website: Pflichten & Umsetzung
für Unternehmen in Österreich

Aktualisiert am

Eine Website ist heute das digitale Aushängeschild deines Unternehmens. Sie entscheidet darüber, ob potenzielle Kunden Vertrauen fassen, deine Dienstleistungen buchen oder deine Produkte kaufen. Wenn deine Website jedoch Barrieren aufweist, schließt du unbewusst einen erheblichen Teil deiner Zielgruppe von deinen Angeboten aus.

 

Barrierefreiheit im Web bedeutet, dass möglichst alle Menschen deine digitalen Angebote wahrnehmen, verstehen, navigieren und nutzen können - unabhängig von Sehschwäche, motorischen Einschränkungen, kognitiven Unterschieden oder altersbedingten Veränderungen.

 

Für dich als Unternehmer ist eine barrierefreie Website daher kein reines Wohlfahrtsprojekt. Sie kann deine Marktreichweite stärken, die Nutzererfahrung verbessern und - je nach Angebot - rechtliche Anforderungen erfüllen. Im professionellen Webdesign gehört digitale Zugänglichkeit längst zum Qualitätsstandard, weil guter Service im Internet nur dann funktioniert, wenn er für möglichst viele Menschen erreichbar ist.

Die geschäftliche Relevanz:
Warum Barrierefreiheit eine Umsatzchance sein kann

Viele Unternehmer denken bei Barrierefreiheit fälschlicherweise an eine kleine, vernachlässigbare Minderheit. In Österreich sind es jedoch viele Menschen mit dauerhaften oder temporären Einschränkungen - etwa durch Sehschwächen, motorische Probleme oder altersbedingte Veränderungen.

 

Wenn ein potenzieller Kunde dein Bestellformular nicht per Tastatur bedienen kann oder wichtige Informationen nicht erfassen kann, bricht er den Kauf oft ab. Eine barrierefreie Gestaltung kann die Webseiten-Bedienung entlasten, Hürden vor dem Abschluss senken und die Kundenzufriedenheit steigern. Ob sich das in messbar höheren Conversion-Raten zeigt, hängt von Branche, Angebot und Ausgangslage ab - viele Betriebe gewinnen aber spürbar an Reichweite und Vertrauen.

 

Barrierefreiheit ist damit keine „Nice-to-have“-Option, sondern eine Investition in mehr potenzielle Kunden und ein professionelles Markenbild. All das solltest du unbedingt berücksichtigen, wenn du z.B. bei Webagenturen oder mir deinen Webshop oder deine Homepage erstellen lassen möchtest.

Das Barrierefreiheitsgesetz:
Diese rechtlichen Pflichten solltest du kennen

Digitale Barrierefreiheit ist für viele heimische Betriebe eine gesetzliche Pflicht. Das österreichische Barrierefreiheitsgesetz (BaFG) regelt die barrierefreie Zugänglichkeit bestimmter digitaler Produkte und Dienstleistungen im B2C-Bereich. Dazu gehören insbesondere der Online-Handel (E-Commerce), Bankdienstleistungen sowie elektronische Kommunikations- und Personenverkehrsdienste


Das Gesetz nimmt kleinere Betriebe jedoch bewusst von der Pflicht aus, um sie finanziell und personell nicht zu überlasten. Als Betreiber eines Webshops oder digitalen Dienstes bist du von den Vorgaben befreit, solange dein Unternehmen als Kleinstunternehmen gilt. Du bist erst dann rechtlich zur Barrierefreiheit verpflichtet, wenn du mehr als 10 Mitarbeiter beschäftigst oder einen jährlichen Umsatz von über 2 Millionen Euro erzielst beziehungsweise eine Bilanzsumme von mehr als 2 Millionen Euro aufweist


Liegt dein Betrieb bei allen drei Kennzahlen unter diesen Werten, ist die Umsetzung für deinen Webshop aktuell rein optional. Wer die Grenzwerte jedoch überschreitet und die Anforderungen ignoriert, riskiert behördliche Verfahren und empfindliche Verwaltungsstrafen. Unabhängig von der Pflicht gilt: Die freiwillige Umsetzung bietet auch kleineren Online-Shops einen Wettbewerbsvorteil auf dem österreichischen Markt, da viele Menschen im Land mit temporären oder dauerhaften Einschränkungen leben.

Synergien im Webdesign:
Barrierefreiheit trifft auf Responsive Design

Barrierefreiheit lässt sich nicht isoliert von Webdesign betrachten. Ein zentraler Baustein ist die flexible Darstellung auf verschiedenen Endgeräten - hier kommt Responsive Design ins Spiel.

 

Deine Kunden nutzen Smartphones, Tablets, Laptops oder große Monitore. Eine barrierefreie Website passt Inhalte und Bedienelemente an unterschiedliche Bildschirmgrößen an, bleibt bei Vergrößerung bis mindestens 200 % nutzbar und sorgt dafür, dass Schaltflächen auf Touchscreens gut erreichbar sind.

 

Responsive Design allein erfüllt nicht alle Kriterien der Barrierefreiheit - es ist jedoch eine wichtige Basis für ein professionelles, konsistentes Markenerlebnis.

Barrierefreiheit und Mobile First:
Fokus auf mobile Nutzer

Ein großer Teil der Webseiten-Besucher kommt bereits über Smartphones. Der Ansatz Mobile First ist deshalb in der modernen Website-Erstellung weit verbreitet. Dabei werden Layout und Funktionen im Frontend (Das ist der sichtbare Teil der Webseite) zuerst für den kleinsten Bildschirm geplant und dann für größere Bildschirmauflösungen erweitert.

 

Weniger Platz auf mobilen Bildschirmen zwingt zu klarer Struktur, besseren Kontrasten und übersichtlicher Navigation. Davon profitieren letztendlich auch Menschen mit visuellen oder kognitiven Einschränkungen.

 

Mobile First ersetzt jedoch keine gezielte Barrierefreiheits-Prüfung (Tastaturbedienung, Screenreader, Formulare, Medien). Beides gehört zusammen - ist aber nicht dasselbe.

Der erste Eindruck:
Datenschutz und der Cookie-Consent-Banner

Oft ist der Cookie Consent Banner das erste Interaktionselement auf einer Website. Er ist in vielen Fällen aus Datenschutz- und Telekommunikationsrecht (DSGVO und TKG) erforderlich und gleichzeitig eine häufige Barriere.

 

Typische Probleme sind:

  • Banner nicht per Tastatur bedienbar
  • Fokus für Screenreader „eingeschlossen“
  • unverständliche Texte
  • Buttons ohne klare Beschriftung

 

Wer die Einwilligung nicht nutzen kann, verlässt die Seite, bevor er dein Angebot sieht.

 

Achte deshalb darauf, dass dein Cookie Consent Banner zugänglich und rechtlich sauber umgesetzt ist, technisch als auch inhaltlich.

Suchmaschinenoptimierung (SEO):
Was Barrierefreiheit bringen kann

Ein oft unterschätzter Nebeneffekt guter Barrierefreiheit ist eine verbesserte technische und inhaltliche Qualität deiner Website.

 

Suchmaschinen profitieren von klarer Überschriften-Hierarchie, verständlichen Texten, sinnvollen Alt-Texten bei Bildern und sauberer Navigation. Das ähnelt in Teilen dem, was auch assistive Technologien brauchen.

 

Barrierefreiheit ist kein garantiertes Ranking-Upgrade. Google bewertet viele Signale, aber während Barrierefreiheit hilfreich für Qualität und Webseiten-Nutzer ist, ersetzt es keine ganzheitliche Suchmaschinenoptimierung.

 

Wer Inhalte für Menschen mit Einschränkungen optimiert, legt oft gleichzeitig die Basis für bessere Auffindbarkeit - ohne allein auf bezahlte Anzeigen angewiesen zu sein.

Checkliste für Unternehmer:
Die wichtigsten Kriterien im Überblick

  1. Tastaturbedienbarkeit: Menüs, Formulare und Dialoge sind ohne Maus nutzbar und der Fokus von Eingabefeldern ist sichtbar.
  2. Skalierbarkeit: Schrift lässt sich im Browser auf mindestens 200 % vergrößern, ohne dass Inhalte unbenutzbar werden.
  3. Alternative Texte: Informative Bilder und Grafiken haben präzise Alt-Texte; dekorative Bilder sind entsprechend gekennzeichnet.
  4. Verständlichkeit: Klare Sprache, eindeutige Linktexte (nicht nur „hier“), Formulare mit verständlichen Fehlermeldungen und Beschriftungen.
  5. Medien: Videos mit Untertiteln oder Transkript, wo Inhalte vermittelt werden.
  6. Textdateien: Wie PDFs oder andere Textdateien die du zum Download anbietest.
  7. Cookie-Banner & Dialoge: Erstes Interaktionselement ist per Tastatur und Screenreader nutzbar.

Barrierefreiheit ist ein
langfristiger Qualitätsstandard

Barrierefreiheit bietet dir langfristig reale Vorteile durch:

  • mehr Webseitenbesucher
  • besseres Markenimage
  • die Erfüllung gesetzlicher Vorgaben - sofern du sie erfüllen musst
  • mehr Reichweite und Sichtbarkeit

 

Planst du eine neue Website oder einen Relaunch, nimm Barrierefreiheit von Beginn an in deiner Planung mit auf. Nachträgliche Korrekturen und Umgestaltungen sind oft aufwendig und teurer.

 

Setze auf professionelle Webentwicklung, das Webdesign mit durchdachter Zugänglichkeit verbindet und die rechtlichen Voraussetzungen für deinen Online-Auftritt erfüllt.

Fragen zum Thema
barrierefreie Websites

Eine Website, die möglichst alle Menschen ohne unnötige Hürden nutzen können wie z.B. bei Sehen, Bedienung per Tastatur oder Verständnis von Texten. Dazu zählen Kontraste, klare Struktur, Alt-Texte und bedienbare Formulare, orientiert an Standards wie WCAG 2.1 AA.

Das hängt davon ab, ob für dich die gesetzliche Pflichten des Barrierefreiheitsgesetzes gelten. Falls ja und bei Nichteinhaltung, sind Nachbesserungen oder Bußgelder möglich. Unabhängig davon verlierst du in weiterer Folge oft Kunden, Vertrauen und Reichweite.

Nicht immer, aber für öffentliche Stellen und viele betroffene Anbieter ist sie üblich oder sinnvoll. Sie zeigt, wie zugänglich dein Angebot ist und wie Nutzer Feedback geben können.

Ja, auch Dokumente und E-Mails müssen nutzbar sein, nicht nur die Website. Gescannte PDFs, fehlende Struktur oder Videos ohne Untertitel sind typische Barrieren.

Kombiniere Online-Tools, manuelle Tests (Tastatur, Zoom 200%) und idealerweise Feedback von Nutzern mit Einschränkungen. Einmal reicht nicht, prüfe nach jedem größeren Update erneut.

Schlechte Kontraste, nicht tastaturbedienbare Menüs/Formulare, fehlende Alt-Texte, unzugängliche Cookie-Banner und unverständliche Fehlermeldungen. Auch nicht barrierefreie PDFs und Videos ohne Untertitel.

Ja, aber oft stehen die Änderungskosten nicht in Relation und ein Webseiten-Relaunch mit Barrierefreiheit würde sich für dich langfristig mehr auszahlen.

 

Ansonsten, starte bei bestehenden Sites mit den größten Hürden: Navigation, Kaufprozess und Cookie-Banner.

Das Unternehmen insgesamt: Marketing für Inhalte, IT/Agentur für Technik, die Leitung für Priorität und Budget. Ein fester interner Ansprechpartner hilft, Barrierefreiheit dauerhaft mitzudenken.

Nein, entscheidend sind Theme, Plugins, Code und redaktionelle Pflege. Wordpress kann auch wie jedes andere CMS barrierefrei sein, entscheidend dabei ist, wie deine Webseite damit umgesetzt wird.

Manche Agenturen oder Webdesigner bieten Barrierefreiheit als Extra-Posten an. Wenn Sie aufgrund Ihrer Unternehmensgröße zur Barrierefreiheit verpflichtet sind, suchen Sie nach Angeboten, bei denen Barrierefreiheit bereits inkludiert ist. Von Anfang an mitgeplant, ist Barrierefreiheit kein großer Kostenfaktor. Sehen Sie diese als eine Investition in Nutzer, Reichweite und ein geringeres rechtliches Risiko an.

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