ERP, Custom ERP oder Individualsoftware
Diese drei Begriffe werden häufig synonym verwendet, beschreiben aber klar unterschiedliche Lösungsansätze. Ein maßgeschneidertes ERP entwickelt die klassischen operativen Kernmodule – Auftrag, Lager, Einkauf, Rechnungsstellung – individuell auf deine Prozesse. Es folgt dem ERP-Paradigma: verbundene Module für Unternehmensoperationen. Ein Custom ERP geht einen Schritt weiter: wenn keine Standard-ERP-Modularchitektur als Ausgangspunkt passt, wird das ERP vollständig von Grund auf gebaut – ohne Kompromisse durch Framework-Vorgaben. Individualsoftware hingegen verlässt den ERP-Kontext vollständig: sie modelliert Prozesse, die außerhalb der klassischen ERP-Kategorien liegen – proprietäre Qualitätssicherungssysteme, branchen-eigene Kalkulationslogik oder Workflow-Tools für Nischendienstleistungen.
Als Faustregel kannst du dir merken: Wenn dein Projekt Auftrag, Lager, Einkauf oder Rechnungsstellung als Kern hat, ist es ein ERP-Projekt – ob maßgeschneidert oder als Custom ERP. Wenn der Prozess gar nicht in diese Kategorien passt, ist es Individualsoftware.
In der Praxis gilt: Standard-ERP-Lösungen decken in den meisten KMU rund 80 bis 90 Prozent der Anforderungen ab. Die verbleibenden 10 bis 20 Prozent – die branchenspezifischen Ausnahmen, die eigenen Dispositionsregeln, die Schnittstellen zu bestehenden Partnersystemen – sind genau der Bereich, wo täglich Arbeitszeit verloren geht und Workarounds entstehen. Ein maßgeschneidertes ERP löst genau diesen Bereich, ohne dass du gleichzeitig 80 Prozent Standard-Funktionen mitbezahlst, die so nie genutzt werden.